Zeit zum Innehalten, Zeit für die Mitte – Die Übergänge in der TCM
- Carina Schütte

- 28. Juli 2025
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 13. Apr.
In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) spielen die sogenannten Dojo-Zeiten eine zentrale Rolle, es sind die Übergangsphasen zwischen den Jahreszeiten. Diese besonderen Zeiten bieten eine hervorragende Gelegenheit, Pferde in ihrer körperlichen und energetischen Balance zu unterstützen. Pferde sind als feinfühlige Wesen besonders empfänglich für energetische Schwankungen – daher können wir die Dojo-Zeiten nutzen, um ihre Gesundheit, Leistungsfähigkeit und ihr Wohlbefinden gezielt zu fördern.
Was sind Dojo-Zeiten?
Die Dojo-Zeiten sind viermal im Jahr wiederkehrende 18-tägige Phasen, die zwischen den klassischen Jahreszeiten liegen. Sie gehören dem Erdelement an und stehen für Wandel, Transformation und Anpassung. In dieser Phase bereitet sich der Körper auf den bevorstehenden Wechsel vor, entgiftet, reguliert das Verdauungssystem und passt sich an neue Umweltbedingungen an.In der TCM steht das Erdelement für:
• Verdauung und Umwandlung (Futter → Energie)
• Zentrierung und Ruhe (mentale Stabilität)
• Sorge und Grübeln (emotionales Ungleichgewicht)
• Körpermitte (Milz, Magen, Muskulatur, Bindegewebe)
Diese Dojo-Phasen sind ideal, um Pferde auf die kommende Jahreszeit vorzubereiten, bestehende Dysbalancen zu regulieren und die allgemeine Widerstandskraft zu stärken.
Die Dojo-Zeiten im Überblick:
☯️ Dojo-Zeit (Erde) - 28.07.–15.08.
Herbst (Metall) - 16.08.–27.10. 🍂
☯️ Dojo-Zeit (Erde) - 28.10.–15.11.
Winter (Wasser) - 16.11.–26.01. ❄️
☯️ Dojo-Zeit (Erde) - 27.01.–12.02.
Frühling (Holz) - 13.2.–26.04. 🍃
☯️ Dojo-Zeit (Erde) - 27.04.–16.05.
Sommer (Feuer) - 17.05.–27.07. 🔥
Wie beeinflussen die Dojo-Zeiten unsere Pferde?
Pferde sind stark mit den natürlichen Rhythmen verbunden und haben sich über Jahrtausende an saisonale Veränderungen angepasst. In den Dojo-Zeiten kann es vermehrt zu folgenden Veränderungen kommen:
Verdauungsprobleme: Da die Erde mit Magen und Milz in Verbindung steht, sind in dieser Zeit häufiger Koliken, Blähungen oder Appetitveränderungen zu beobachten.
Energetische Schwankungen: Manche Pferde wirken in den Dojo-Zeiten träge oder unausgeglichen, andere zeigen Unruhe oder Nervosität.
Verändertes Fellwachstum: Frühjahrs- und Herbst-Dojo kennen wir als klassische Zeit des Fellwechsels, was den Körper zusätzlich belastet.
Empfindlichkeit gegenüber Wetterumschwüngen: Gerade sensible Pferde reagieren in diesen Phasen besonders stark auf Feuchtigkeit, Wind oder Temperaturschwankungen.
Wie können wir unsere Pferde in den Dojo-Zeiten unterstützen?
Da die Dojo-Zeit eine Phase der Anpassung ist, können wir das Pferd dabei unterstützen, energetische Dysbalancen auszugleichen.
1. Ernährung anpassen
Setze auf leicht verdauliches, magenfreundliches Futter, wie Mash, gekochte Leinsamen oder Karotten.
Reduziere schwer verdauliche Futtermittel wie große Mengen Kraftfutter oder sehr zuckerhaltiges Futter.
Kräuter wie Fenchel, Kamille oder Anis können die Verdauung sanft harmonisieren.
2. Akupressur nutzen
Die Stärkung von Milz und Magen ist in dieser Zeit besonders wichtig. Akupunkturpunkte wie Milz 6 oder Magen 36 können helfen, den Stoffwechsel zu stabilisieren und das Immunsystem zu stärken.
3. Bewegung anpassen
Vermeide extreme Belastung, besonders, wenn dein Pferd träge oder unausgeglichen wirkt.
Leichte Arbeit wie lockeres Longieren, Spaziergänge oder Bodenarbeit helfen, den Stoffwechsel in Schwung zu halten, ohne das Pferd zu überfordern.
Achte auf eine gute Regeneration – Ruhe ist in der Dojo-Zeit genauso wichtig wie Bewegung.
4. Detox und Immunsystem stärken
In der Dojo-Zeit nach dem Winter kann eine sanfte Entgiftung mit Kräutern wie zum Beispiel Brennnessel oder Artischocke helfen.
Eine gute Versorgung mit Mineralstoffen, unterstützt das Immunsystem in diesen Übergangsphasen.
Fazit
Die Dojo-Zeiten sind für Pferde eine sensible Phase des Wandels. Wenn wir sie bewusst begleiten, können wir unsere Pferde optimal auf die nächste Jahreszeit vorbereiten. Mit angepasster Fütterung, sanfter Bewegung und gezielten TCM-Techniken können wir unsere Pferde stabil und gesund durch diese energetisch fordernden Phasen führen.
Die besonderen Herausforderungen der aktuellen Dojo-Zeit (28.07.–15.08.)
Zwischen Sommer und Herbst, vom 28. Juli bis 15. August, steht im Pferdekörper die Mitte im Fokus: Milz und Magen. Diese Organe sind nicht nur für die Verdauung zuständig, sondern auch für Energie, Stabilität, Immunsystem und seelisches Gleichgewicht.
In der Übergangszeit zwischen dem expansiven Sommer und dem eher zurückziehenden Herbst zieht sich das Qi langsam nach innen. Pferde reagieren in dieser Phase oft spürbar mit
Müdigkeit, Unruhe oder Trägheit
Kotwasser, weicher Kot, Blähungen
Appetitveränderungen
Wetterfühligkeit
Hautproblemen (Juckreiz, Schuppen, Fellwechsel beginnt)
Worauf du jetzt bei deinem Pferd achten solltest
Gerade Pferde im Offenstall, die dauerhaft im Freien leben, spüren die klimatischen Umbrüche besonders stark. Mit ein paar einfachen Maßnahmen kannst du deinem Pferd helfen, gut durch die Dojo-Zeit zu kommen:
1. Futter & Verdauung entlasten
• Viel strukturiertes, rohfaserreiches Heu – möglichst wenig Kraftfutter
• Keine plötzlichen Futterumstellungen (z. B. Weideende, neues Heu - so wie wir anweiden, sollten wir auch abweiden!)
• Kleine Kräuterkur: z. B. Fenchel, Kümmel, Mariendistel, Löwenzahnwurzel
2. Die „Mitte“ pflegen
• Keine Nässe oder Zugluft am Bauch (ggf. Decke für empfindliche Pferde)
• Massage des Milzmeridians oder Akupressur an Magen 36 und Milz 6
• Wärmende Zusätze: ein paar Hagebutten oder einen Tee aus Anis-Fenchel-Kümmel über das Futter geben
3. Emotionale Balance
• Achte auf Routine, Ruhe und klare Strukturen
• Sanfte Bewegung ohne Überforderung
• Regelmäßiger Sozialkontakt – Isolation in dieser Zeit besonders vermeiden
Dojo = Zeit für Ausgleich, nicht für Leistung
Wenn du in dieser Zeit versuchst, dein Pferd „weiterzubringen“, kann es schnell zu Überforderung oder Blockaden kommen.
Tipp für deine Stallroutine
Nimm dir täglich 5 Minuten, um dein Pferd zu beobachten:
Wie frisst es? Wie ist die Atmung? Wie wirkt die Haut?
Du wirst schnell merken, wenn etwas aus dem Gleichgewicht gerät – und kannst frühzeitig reagieren.
Weniger ist mehr.
Die Dojo-Zeit ist eine Einladung, zurück zur Balance zu finden – körperlich, seelisch und energetisch.
Statt Trainingspläne, Reitturniere oder Diäten brauchen Pferde jetzt vor allem eines:
Erdung. Stabilität. Ruhe.
Und manchmal genügt schon ein ruhiger Moment im Stall, ein Zusammensein ohne Druck und Erwartungen, um deinem Pferd genau das zu geben. In diesem Sinne wünsche ich dir und deinem Pferd eine ruhige Dojo-Zeit 💜
Milz & Magen – das Erd-Duo der Dojo-Zeiten
Die Milz wandelt Nahrung in Energie um, nährt Muskeln und Gewebe, hält das Blut an seinem Platz und ist Sitz von Sorgfalt und Zentrierung. Ist sie geschwächt, fehlt es an innerer Stabilität - körperlich wie geistig.

Der Magen wird als das "große Reservoir" betrachtet - er empfängt, reift und zersetzt die Nahrung und bereitet sie für die Milz auf. In Balance sorgt er für Appetit, Aufnahmebereitschaft und ein gesundes Verhältnis zum Außen.




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