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Die fünf Geister und ihr Einfluss auf chronisch kranke Pferde

  • Autorenbild: Carina Schütte
    Carina Schütte
  • 4. Okt. 2025
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 13. Apr.

In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) wird der Körper niemals isoliert betrachtet. Jedes Organ erfüllt nicht nur eine körperliche Aufgabe, sondern trägt auch seinen geistigen „Geist“. Diese fünf Geister prägen Emotionen, Verhalten und die Ausstrahlung eines Pferdes. Gerade bei chronisch kranken Pferden zeigt sich: Ein körperliches Ungleichgewicht wirkt meistens auch auf die seelische Ebene – und umgekehrt. Das heißt: Nicht nur ein geschwächter Geist kann den Körper schwächen, sondern auch ein geschwächter Körper kann die Energie des Geistes mindern. Dieses dynamische Zusammenspiel ist der Kern der TCM. 


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Das "geistige Team" deines Pferdes

Hun - der Geist der Leber


Der Hun ist der Geist der Leber und steht für Vision, Kreativität und Lebensplanung. Ein Pferd mit starker Holz-Energie ist flexibel, lernfreudig und voller Tatendrang. 

Gerät der Hun aus der Balance, kommt es zu Stagnationen der Leber-Energie. Dies kann zu Frustration, Wut und Gereiztheit führen. Dein Pferd wirkt angespannt, neigt zu plötzlichen Explosionen oder entwickelt körperliche Verspannungen? Dann könnte sein Hun sich nicht wohlfühlen. 

Ein geschwächter Hun kann Verspannungen, Kopfschlagen, Lahmheiten oder brüchige Hufe begünstigen. Umgekehrt führen körperliche Blockaden in der Leber, etwa durch Überlastung oder schlechte Ernährung, dazu, dass der Hun aus dem Gleichgewicht gerät und die Kreativität und Gelassenheit des Pferdes leiden. 

Beispiel: Ein Wallach, sonst souverän und ausgeglichen, begann im Training plötzlich ohne erkennbaren Grund zu explodieren. Ursache war eine blockierte Holz-Energie – der Hun konnte sich nicht frei entfalten. Nach Harmonisierung der Leber fand er zurück zu Gelassenheit und Geschmeidigkeit. 


Shen - der Geist des Herzens


Der Shen ist der wichtigste aller Geister. Er wohnt im Herzen und symbolisiert Bewusstsein, Lebensfreude und Ausstrahlung. Ein klarer Shen zeigt sich in leuchtenden Augen und einem offenen, präsenten Wesen. 

Gerät der Shen aus Balance, fehlt dem Herzen das Blut. Dort legt er sich normalerweise in der Nacht zur Ruhe. Ist sein „Bett“ nicht bequem – zu wenig Blut –, wandert er in den Kopf, sorgt für innere Unruhe, Nervosität oder Schlafstörungen. 

Ein gestörter Shen kann den Kreislauf schwächen und zu innerer Unruhe führen. Umgekehrt schwächt ein körperlich angeschlagenes Herz die Präsenz des Shen. Das Pferd wirkt dann fahrig, abwesend oder weniger präsent – die körperliche Schwäche verstärkt also die geistige Unruhe, und die innere Unruhe kann wiederum körperliche Erschöpfung fördern. 

Beispiel: Ein Warmblut-Wallach stand oft teilnahmslos in seiner Box. Sein Blick war leer, er schien innerlich weit weg. Erst durch die Stärkung seiner Herzenergie kehrte der Shen zurück – das Pferd zeigte wieder Lebensfreude und suchte aktiv Kontakt. 


Yi – der Geist der Milz 


Der Yi steht für Denken, Lernen und Fokussierung. Ein Pferd mit starkem Yi ist aufmerksam, klar im Kopf und ausgeglichen. 

Gerät der Yi aus der Balance, fängt das Pferd an zu Grübeln oder sich zu sorgen, das schwächt wiederrum die Milz. Dein Pferd wirkt müde, schwerfällig, verliert die Lust am Lernen oder hat Verdauungsprobleme. 

Ein schwacher Yi führt zu körperlicher Trägheit und Verdauungsproblemen, während eine geschwächte Milz die Fähigkeit des Pferdes mindert, sich zu konzentrieren und Informationen aufzunehmen. Körper und Geist bedingen sich also gegenseitig. 

Beispiel: Eine Haflingerstute hatte trotz reichlich Futter kaum Energie. Sie wirkte, als laste eine ständige „Schwere“ auf ihr. Durch die Stärkung des Yi fand sie zu neuer Vitalität – und auch die Freude am Training kehrte zurück. 


Po – der Geist der Lunge 


Der Po prägt Atmung, Instinkte und die Fähigkeit, sich mit der Welt zu verbinden. Ein klarer Po macht das Pferd präsent, wach und strukturiert. 

Gerät der Po aus der Balance, wirkt das Pferd traurig, das Atmen fällt oft schwer, es neigt zu Infekten und Hautproblemen. 

Ist der Po geschwächt, kann das zu wiederholtem Husten oder Atembeschwerden führen – die körperliche Schwäche wiederum belastet den Po und verstärkt emotionale Rückzugstendenzen. Umgekehrt führt starker Husten oder chronische Lungenerkrankung dazu, dass der Po geschwächt wird und das Pferd emotional verschlossener wirkt. 

Beispiel: Eine ältere Schimmelstute litt nicht nur an chronischem Husten, sondern strahlte tiefe Traurigkeit aus. Sie wirkte wie „abgeschottet“. Erst durch die Stärkung ihres Po konnte sie wieder frei atmen – und öffnete sich auch emotional erneut ihrer Umwelt. 


Zhi – der Geist der Niere 


Der Zhi steht für Mut, Willenskraft und Durchhaltevermögen. Ein starker Zhi schenkt Vertrauen und innere Stabilität. 

Gerät der Zhi aus der Balance, tritt Angst in den Vordergrund – sie sitzt sprichwörtlich „in den Knochen“. Pferde werden dann oft schreckhaft, unsicher oder verlieren Kraft in der Hinterhand. 

Ein schwacher Zhi kann körperliche Schwäche, z. B. der Hinterhandmuskulatur, begünstigen. Umgekehrt kann eine geschwächte Niere oder schwache Muskulatur die Willenskraft mindern – das Pferd wirkt verunsichert, und die Energie des Zhi leidet. 

Beispiel: Ein Senior-Wallach begann plötzlich, bei jeder Kleinigkeit zu scheuen, obwohl er sein Leben lang souverän gewesen war. Gleichzeitig ließ die Kraft in seiner Hinterhand nach. Mit gezielter Unterstützung seines Zhi fand er zurück zu Mut und Stabilität. 


Warum die fünf Geister bei chronisch kranken Pferden so wichtig sind 


Bei chronisch kranken Pferden zeigt sich besonders deutlich, wie eng Körper und Geist miteinander verbunden sind. Nicht nur ein geschwächter Geist kann den Körper belasten, sondern auch ein angeschlagener Körper schwächt den jeweiligen Geist. Diese wechselseitige Beziehung ist damit Fluch und Segen zugleich. Unterstützen wir die körperliche oder seelische Balance des Pferdes, wirkt sich das doppelt aus – und schenkt nicht nur Harmonie für den physischen Körper, sondern auch innere Ruhe. Betrachte die Geister als fünf kleine Helfer deines Pferdes. Wenn du dafür sorgst, dass es ihnen an nichts fehlt, dann können sie fröhlich durch dein Pferd tanzen und ihm Leichtigkeit, Freude und Gelassenheit schenken.

 
 
 

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